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Echte Feige
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Die Echte Feige (Ficus carica), auch Feigenbaum und kurz auch Feige (von gleichbedeutend mittelhochdeutsch vīge) genannt, ist eine Pflanzenart aus der Gattung der Feigen (Ficus). Sie zÀhlt zu den Àltesten domestizierten Nutzpflanzen und wird vor allem im Mittelmeerraum angebaut. Sie hat wie alle Feigen eine komplexe BestÀubungsökologie. Die Frucht der Echten Feige wird ebenfalls Feige genannt.
Contents
âą Beschreibung
âą Chromosomensatz
âą Inhaltsstoffe
âą Ăkologie
⹠BestÀubung
âą Systematik
âą Anbau
âą Ernte
âą Holz
âą Domestikation
âą Indien
âą Griechenland
âą Rom
âą Islam
âą Trivialnamen
âą Geschichte
âą Quellen
âą Literatur
âą Weblinks
âą Einzelnachweise
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Beschreibung
Vegetative Merkmale
Die Feige wĂ€chst als sommergrĂŒner und laubwerfender Strauch oder kleiner Baum mit Wuchshöhen von drei bis zu zehn Metern.cite-ref-foc2003-1-0[1] In Deutschland werden FeigenbĂ€ume kaum ĂŒber 5 oder 6 Meter hoch. GröĂe und Wuchsform sind stark von der jeweiligen Feigensorte abhĂ€ngig.cite-ref-2[2] Die Krone ist bei alten Individuen meist sehr breit und ausladend, jedoch unregelmĂ€Ăig und niedrig. Der Stamm ist oft knorrig, gedreht oder gebogen. Die meist reiche Verzweigung beginnt schon in geringer Höhe. Die Zweige sind relativ dick und gerade.cite-ref-foc2003-1-1[1] Die grĂ€ulich-braune Borke besitzt deutlich erkennbare Lentizellen.cite-ref-foc2003-1-2[1] Die Rinde ist glatt und hellgrau. Die ganze Pflanze fĂŒhrt Milchsaft, der in Zusammenhang mit Sonnenlicht nach BerĂŒhrung zu einer Photodermatitis fĂŒhren kann, die sich durch EntzĂŒndung der Haut und BlĂ€schenbildung Ă€uĂert.
Die LaubblĂ€tter sind wechselstĂ€ndig an den Zweigen angeordnet.cite-ref-foc2003-1-3[1] Der krĂ€ftige Blattstiel ist zwei bis acht Zentimeter lang.cite-ref-foc2003-1-4[1] Die Blattform ist stark von der jeweiligen Feigensorte abhĂ€ngig, was sie zu einem wichtigen Faktor bei der Sortenbestimmung macht. Die feste, steife und fast ledrige Blattspreite ist bei einer LĂ€nge und Breite von 10 bis 20 Zentimeter breit-eiförmig und drei- bis siebenlappig, wobei die Blattlappen ei- bis fingerförmig sind und die Spreitenbasis mehr oder weniger herzförmig ist.cite-ref-foc2003-1-5[1] Der Blattrand ist meist unregelmĂ€Ăig gezĂ€hnt.cite-ref-foc2003-1-6[1] Die dunkelgrĂŒne Blattoberseite ist bei manchen Sorten rauhaarig. Die hellere Blattunterseite ist mehr oder minder dicht mit kleinen Zystolithen und kurzen, flaumigen Haaren bedeckt.cite-ref-foc2003-1-7[1] Es sind zwei bis vier Basalnerven und fĂŒnf bis sieben Seitennerven auf jeder Seite des Mittelnervs vorhanden.cite-ref-foc2003-1-8[1] Die NebenblĂ€tter sind manchmal rötlich und bei einer LĂ€nge von etwa 1 cm eiförmig-lanzettlich.cite-ref-foc2003-1-9[1]
BlĂŒtenstand und BlĂŒten
Die achselstĂ€ndig und einzeln stehenden BlĂŒtenstĂ€nde sind bei einem Durchmesser von drei bis fĂŒnf Zentimetern birnen-cite-ref-foc2003-1-10[1] beziehungsweise flaschenförmig. Die BlĂŒtenstĂ€nde sind grĂŒn und unauffĂ€llig und sehen aus wie kleine unreife Feigen. Sie entstehen, indem die BlĂŒtenstandsachse krugförmig nach oben wĂ€chst und mehrere hundert EinzelblĂŒten dabei nach innen verlagert werden. An der Spitze des BlĂŒtenstandes bleibt eine enge, konkave Ăffnung (Ostiolum) frei, die durch schuppenartige, eiförmige HochblĂ€tter fast völlig geschlossen ist.
Kulturfeigen sind gynodiözisch, aber funktionell diözisch (zweihĂ€usig getrenntgeschlechtig),cite-ref-3[3] d. h., es gibt mĂ€nnliche und weibliche Pflanzen. Es kommen bei den mĂ€nnlichen Pflanzen in gemischten BlĂŒtenstĂ€nden sterile weibliche und mĂ€nnliche BlĂŒten (zwittrig, aber funktionell mĂ€nnlich), bei den weiblichen Pflanzen (nur fertil weibliche) BlĂŒten in unisexuellen BlĂŒtenstĂ€nden jeweils in drei Generationen im Jahr vor. Bei den mĂ€nnlichen Pflanzen sind drei Formen in den verschiedenen Generationen möglich (Vorfeigen: Profichi oder Breba, Sommerfeigen: Fichi, Mammoni, Nachfeigen: Mamme).
Die mĂ€nnlichen BlĂŒten besitzen vier oder fĂŒnf KelchzĂ€hne und meist drei, selten ein, vier oder fĂŒnf StaubblĂ€tter.cite-ref-foc2003-1-11[1] Bei den weiblichen BlĂŒten gibt es wieder zwei Formen: Die sogenannte âGallblĂŒteâ mit kurzem Griffel, sie ist steril. Die fertile weibliche BlĂŒte besitzt vier oder fĂŒnf KelchzĂ€hne, einen eiförmigen, glatten Fruchtknoten sowie seitlich einen langen Griffel, der in zwei linealen GriffelĂ€sten endet.cite-ref-foc2003-1-12[1] Die zwei unterschiedlichen weiblichen BlĂŒten unterscheiden sich nur durch die GriffellĂ€nge und die Narbenform. Diese drei BlĂŒtenformen sind auf zwei Formen der Kulturfeige verteilt, die klassisch als VarietĂ€ten eingestuft werden (siehe jedoch unten):
âą Die Haus- oder Ess-Feige (Ficus carica var. domestica), die essbare FrĂŒchte liefert, besitzt nur langgrifflige fertile weibliche BlĂŒten. Da ihr die mĂ€nnlichen BlĂŒten fehlen, kann sie sich also alleine nicht vermehren. Sie ist funktionell die weibliche Pflanze.
âą Die Bocks-, Capri-, Holz- oder Ziegenfeige (Ficus carica var. caprificus), auch Caprifig, enthĂ€lt kurzgrifflige sterile weibliche âGallenblĂŒtenâ und mĂ€nnliche BlĂŒten. Letztere stehen in der NĂ€he des Ostiolums (Ăffnung). Die Bocks-Feige ist funktionell die mĂ€nnliche Pflanze.
FrĂŒchte und Samen
Nach der BestĂ€ubung entwickelt sich der BlĂŒtenstand in drei bis fĂŒnf Monaten zur bekannten Feige, einem Fruchtverband (AchĂ€nenfruchtverband), genauer einem Sykonium oder Hypanthodium, da die weiblichen BlĂŒten sich zu AchĂ€nen entwickeln und in den BlĂŒtenboden integriert sind.cite-ref-4[4] Beim Essen bemerkt man die kleinen Kerne sehr gut. Die Form ist kugelig bis birnenförmig. Je nach Sorte ist die Farbe grĂŒn bis dunkelviolett. Das Innere der Scheinfrucht besteht aus den AchĂ€nen und dem ebenfalls fleischig gewordenen BlĂŒtenboden der EinzelblĂŒten und ist rot gefĂ€rbt. Die Schalendicke variiert ebenfalls nach Sorte: Im Hauptanbaugebiet TĂŒrkei sind die Feigen eher dĂŒnnschalig, in Griechenland eher dickschalig.
Bis zu dreimal jĂ€hrlich kann der Feigenbaum FrĂŒchte tragen: im FrĂŒhjahr diejenigen aus den Knospen des letzten Herbstes, die ĂŒber den Winter gereift sind, am Ende des Sommers die aus den Knospen des FrĂŒhlings und in sehr warmen Gebieten mit langen Sommern sogar Ende Herbst nochmals SpĂ€tfeigen aus den Knospen des Sommers.
Die FrĂŒchte der Bocksfeige sind meistens holzig, hart, trocken und ungenieĂbar. Die Bocksfeigensorte White Marseille liefert jedoch essbare FrĂŒchte, die sĂŒĂ sind mit leichtem Bananen- oder Melonenaroma.cite-ref-5[5]
In der Wirtschaft werden Feigen als Essbare FrĂŒchte der Position 0804 20 des Harmonisierten Systems behandelt. Sie gehören typischerweise zum Trockenobst bzw. den TrockenfrĂŒchten.
Die Samen sind linsenÀhnlich.cite-ref-foc2003-1-13[1]
Chromosomensatz
Inhaltsstoffe
Neben 80 % Wasser enthalten die reifen FrĂŒchte etwa 1,3 % Protein, 0,5 % Fett, 12,9 % Kohlenhydrate, etwa 4,5 % Ballaststoffe und 0,7 % Mineralstoffe,cite-ref-franke1989-312-8-0[8] besonders Kalzium, Phosphor und Eisen. Daneben ist die Frucht auch reich an Vitamin B1.
Ăkologie
BestÀubung
Die BlĂŒtenökologie ist bei der Echten Feige noch komplizierter als bei der Gattung Feigen generell, da hier nicht nur Feige und Feigenwespen interagieren, sondern zusĂ€tzlich zwei FeigenvarietĂ€ten zusammenspielen mĂŒssen.cite-ref-franke1994-9-0[9] Wie bei allen Feigen werden die BlĂŒten durch eine zwei bis drei Millimeter groĂe Feigenwespenart, hier die Feigengallwespe (Blastophaga psenes), bestĂ€ubt. Allerdings ist dies bei der Bocks-Feige noch komplizierter, da diese drei Generationen von BlĂŒtenstĂ€nden entwickelt (Vor-, Sommer- und Nachfeigen).
Die Feigengallwespen entwickeln sich in den kurzgriffligen sterilen weiblichen BlĂŒten (GallblĂŒten) der Bocks-Feige. Die Imagines schlĂŒpfen in den reifenden BlĂŒtenstĂ€nden. Die nicht flugfĂ€higen, fast blinden MĂ€nnchen begatten die Weibchen noch innerhalb der Feige. Vor dem Verlassen der Feige durch das Ostiolum sammeln die Weibchen an den mĂ€nnlichen BlĂŒten, falls vorhanden, den Pollen. Die befruchteten und teilweise pollenbeladenen Weibchen suchen dann blĂŒhende Feigen. Es gibt nun zwei Möglichkeiten:
âą Das Weibchen findet eine Bocks-Feige. Nach dem Eindringen in den BlĂŒtenstand bohrt es mit seinem Legestachel Löcher in die Fruchtknoten der kurzgriffligen sterilen GallblĂŒten, legt die Eier ab und sorgt so fĂŒr eigene Nachkommen.
âą Das Weibchen findet eine Ess-Feige und bestĂ€ubt, wenn es pollenbeladen ist, die langgriffligen fertilen weiblichen BlĂŒten. Da deren Griffel jedoch lĂ€nger sind als der Legestachel, kann es hier keine Eier ablegen.cite-ref-franke214-10-0[10] Ein Teil der Wespen geht hierbei zugrunde, die anderen suchen wieder Bocks-Feigen, um dort die Eier abzulegen.
In den Bocks-Feigen entwickelt sich die nĂ€chste Wespengeneration, bei den Ess-Feigen entwickeln sich, wenn sie bestĂ€ubt wurden, die essbaren FrĂŒchte mit den Samen.
Um in Feigenkulturen die BestĂ€ubung sicherzustellen, werden blĂŒhende Bocks-Feigenzweige in die Ess-FeigenbĂ€ume gehĂ€ngt (âCaprifikationâ).
Drei Feigengenerationen pro Jahr
Beide VarietĂ€ten der Kultur-Feige bringen jĂ€hrlich bis zu drei Generationen hervor: Februar/MĂ€rz, Mai/Juni, August/September. Feigen blĂŒhen nicht im herkömmlichen Sinne, sondern haben BlĂŒtenstĂ€nde, die von auĂen nicht als solche erkennbar sind. Bei der Bocks-Feige sind die Feigengenerationen auf der gleichen Pflanze jeweils verschieden angelegt, als Vorfeigen, Sommerfeigen und Nachfeigen. Nur die Vorfeigen enthalten viel Pollen, die Sommerfeigen wenig und die Nachfeigen keinen, weil bei den Sommer- und Nachfeigen die mĂ€nnlichen BlĂŒten mehr oder weniger degeneriert sind.cite-ref-11[11]
Die Larven der Wespen, die sich in den Nachfeigen entwickeln und ĂŒberwintern, schlĂŒpfen dort im MĂ€rz/April, und die MĂ€nnchen begatten dann die Weibchen noch in der Feige. Die MĂ€nnchen sterben danach, die Weibchen fliegen aus und dringen in die 1. Generation (Vorfeigen) der Bocks- und Ess-Feigen ein, bestĂ€uben diese aber nicht, da die Nachfeigen, aus denen die Weibchen kommen, keine mĂ€nnlichen BlĂŒten enthalten. Daher fĂ€llt die 1. Generation der Essfeigen meist vor der Reife ab. In den Bocks-Feigen der gleichen Generation stechen die Weibchen die GallblĂŒten an und legen ihre Eier ab.
Die 2. Generation der Wespen verlĂ€sst nach der Begattung die Vorfeigen: die Wespen sind dann mit dem Pollen der dort vorhandenen mĂ€nnlichen BlĂŒten beladen, den sie nun auf den Narben der 2. Generation der Ess-Feigen abladen. Da die Griffel der ausschlieĂlich langgriffligen fertilen weiblichen BlĂŒten der Ess-Feigen lĂ€nger sind als der Legestachel der Wespen, unterbleibt bei ihnen eine Eiablage. Diese erfolgt wiederum in den Sommerfeigen der Bocks-Feigen, wo die 3. Generation der Wespen dann heranwĂ€chst. Diese Wespen fliegen dann zu der 3. Generation der Ess-Feigen, können diese aber mangels Pollen nicht bestĂ€uben, und zu den Bocks-Feigen (Nachfeigen), stechen die GallblĂŒten an und legen Eier, woraus sich wieder die Larven entwickeln. Diese ĂŒberwintern, um dann wieder im FrĂŒhjahr zu schlĂŒpfen und den Kreis schlieĂen.cite-ref-franke214-10-1[10]
Es kann manchmal vorkommen, dass die mĂ€nnlichen BlĂŒten in den Vorfeigen der Bocks-Feigen mit ihren pollenbeladenen Antheren das Ostiulum versperren, so dass die Wespen gar nicht ausfliegen können.
Es entwickeln sich also nur die Ess-Feigen der 2. Generation durch die Caprifikation zu FrĂŒchten, weil bei der 1. und 3. Generation ja kein Pollen zur Befruchtung vorhanden ist.
JungfernfrĂŒchtige (parthenokarpe) Feigensorten bilden ihre FrĂŒchte auch ohne BestĂ€ubung aus und ermöglichen es, dass nur EinzelbĂ€ume angepflanzt werden mĂŒssen. Je nach den Voraussetzungen fĂŒr die Fruchtbildung unterscheidet man drei Gruppen von Feigensorten:
1. âSmyrna-Typâ (smirniaca): Nur nach Befruchtung durch die Feigengallwespe reifen die Feigen. Zu dieser Gruppe gehören die wichtigen Sorten Sari Lob (Smyrna, Calimyrna), Kassaba und Bardacik.
2. âAdriatischer Typâ (hortensis): Die FrĂŒchte entwickeln sich parthenokarp. Von diesem Feigentyp gibt es zwei Untertypen: erstens die âHausfeigeâ, auch âBiferaâ genannt, die zwei Feigengenerationen ausbildet, zuerst im Sommer BlĂŒhfeigen (Brebas), dann im Herbst jungfernfrĂŒchtige Feigen, und zweitens die âHerbstfeigeâ, auch âUniferaâ genannt, die nur JungfernfrĂŒchte trĂ€gt. In Mitteleuropa werden fast nur Feigen von diesem Typ angebaut, da die Feigengallwespe zur BestĂ€ubung in Mitteleuropa fehlt. Zu ersterem Typ zĂ€hlen die Sorten Madeleine des deux Saisons und Brown Turkey, zu letzterem die Sorten Martinsfeige und Lussheim. Zum adriatischen Typ gehören auch Dottato und Trojano aus Italien, Fraga aus Spanien, Adriatic und Black Mission aus Kalifornien.
3. âSan-Pedro-Typâ (intermedia): Er nimmt eine Zwischenstellung ein, da die erste Fruchtgeneration, die BlĂŒhfeigen, ohne, die zweite jedoch nur mit BestĂ€ubung FrĂŒchte bildet. Die hierzu zĂ€hlenden Sorten sind kommerziell wenig bedeutend.cite-ref-12[12] In Nordamerika gehört beispielsweise die Sorte Desert King zu diesem Typus.
âGeschlechtsâ-Bestimmung bei der Feige
Ob sich ein Samen zu einer Ess- oder einer Bocks-Feige entwickelt, dĂŒrfte durch zwei dominant-rezessive Genpaare bestimmt werden, die jedoch noch nicht nĂ€her erforscht sind. Man spricht auch von Geschlechtsbestimmung, da die Bocks-Feige funktionell mĂ€nnlich ist, wĂ€hrend die Ess-Feige als die weibliche Form angesehen wird. Ess-Feigen entstehen nur, wenn beide Gene homozygot in der rezessiven Form vorliegen, alle anderen Kombinationen ergeben Bocks-Feigen.cite-ref-13[13]
Systematik
Der lateinische Name ficus fĂŒr die Feige wurde namengebend fĂŒr die ganze Gattung Feigen (Ficus).
Das Artepitheton carica bedeutet aus Karien und verweist auf eine antike Landschaft in Kleinasien. Von hier kamen in der Antike getrocknete Feigen (lateinisch frĂŒher caricae oder ficus siccae genanntcite-ref-15[15]cite-ref-16[16] von ausgesuchter QualitĂ€t verpackt in den Handel.cite-ref-17[17]
Es gibt mindestens zwei Unterarten von Ficus carica:cite-ref-grin-18-1[18]
âą Ficus carica L. subsp. carica (Synonym: Ficus caprificus Risso, Ficus carica var. caprificus (Risso) Tschirch & Ravasini)
Eng mit Ficus carica ist die Punjab-Feige (Ficus palmata) verwandt, die zwar sehr kleine, jedoch essbare und gutschmeckende FrĂŒchte hervorbringt. Ficus carica und Ficus palmata lassen sich problemlos kreuzen und bringen fruchtbare Nachkommen hervor.cite-ref-19[19]
Verbreitung und Standort
Die Heimat und die Wildform der Echten Feige sind nicht bekannt. Die Heimat wird in SĂŒdwestasien (am Kaspischen Meer, Pontisches Gebirge) vermutet, jedoch wird die Art seit der Antike im gesamten Mittelmeerraum kultiviert, wo sie auch vielfach verwildert ist. Genetische Untersuchungen mittels RFLP-Analyse der mitochondrialen DNA lassen jedoch vermuten, dass die Echte Feige im gesamten Mittelmeergebiet heimisch ist.cite-ref-khadari2005-20-0[20]
In wintermilden Regionen kann sie auch weitab ihrer Heimat gedeihen; so gibt es Exemplare etwa auf den dĂ€nischen Ostseeinseln und in SĂŒdengland.cite-ref-21[21]
Nördlich der Alpen, beispielsweise in den Schweizer Gemeinden Sisikon, Weggis oder Gersau, können FeigenbĂ€ume in Gegenden mit Weinbauklima an gut geschĂŒtzten Stellen, wie etwa an HauswĂ€nden und in hellen Innenhöfen, gedeihen und fruchten. Vielerorts sind Feigen in Mitteleuropa auch frosthart bis zu minus 15 Grad Celsius, wenn der Standort geeignet ist und die Pflanze ein gewisses Alter erreicht hat. In Deutschland gedeiht die Echte Feige im Weinanbaugebiet Pfalz an der Deutschen WeinstraĂe, ferner an der BergstraĂe, entlang des Mains, im Breisgau (Oberrheingraben) sowie an der Mosel (Mittelmosel), am Niederrhein (Rheinaue) und im Ruhrgebiet.cite-ref-pk-22-0[22] Auch im Dresdner Elbtal und auf Helgoland ist sie vertreten. In diesen Breiten bilden Feigen aber meist nur einmal reife ScheinfrĂŒchte, die sogenannten âBrebasâ, die meist zu Beginn des Hochsommers reifen, die HerbstfrĂŒchte gelangen fast nie zur Reife.
Der Feigenbaum stellt geringe AnsprĂŒche an den Boden; dieser sollte fĂŒr einen ertragreichen, erwerbsmĂ€Ăigen Anbau jedoch einigermaĂen tiefgrĂŒndig sein, allerdings gedeihen Feigen auch in Mauerresten und in felsigen Regionen. Der Baum gedeiht auch in sehr niederschlagsarmen Gebieten, gegen StaunĂ€sse und ĂŒbermĂ€Ăige Feuchte besonders zur Fruchtreife ist er allerdings empfindlich. Er gilt als relativ salzvertrĂ€glich.
Der Feigenbaum braucht warme Sommer und milde Winter. In laublosem Zustand ist er zwar einigermaĂen frostresistent, aber er ist sehr empfindlich gegen Kahlfrost und SpĂ€tfröste, sobald der Knospenaufbruch begonnen hat. Die FrosthĂ€rte ist stark von der jeweiligen Feigensorte abhĂ€ngig. Beliebte, fĂŒr Deutschland relativ winterharte Sorten sind beispielsweise Ronde de Bordeaux, Brown Turkey und Brunswick, die Temperaturen bis etwa â15 °C gut vertragen. Die in Deutschland angebauten Feigensorten sind in der Regel parthenocarp (jungfernfrĂŒchtig), bilden also auch ohne BestĂ€ubung durch die Feigenwespe essbare FrĂŒchte aus.
Die Feigenwespe (Blastophaga psenes) besitzt mindestens seit 2021 auch in Deutschland, u. a. in Baden-WĂŒrttemberg, im Saarland und in Nordrhein-Westfalen, an mehreren Standorten sich reproduzierende Populationen. In diesen Regionen bilden mittlerweile auch Sorten, die auf BestĂ€ubung angewiesen sind, FrĂŒchte aus. Ein Beispiel sind die Herbstfeigen der San-Pedro-Sorte Desert King. Bei dieser werden ohne BestĂ€ubung nur die Brebas zu essbaren FrĂŒchten, die Herbstfeigen fallen ohne BestĂ€ubung unreif ab.cite-ref-23[23]
Anbau und Nutzung
Anbau
Siehe auch
:
Feigenanbau in Deutschland
Der kommerzielle Anbau von Feigen konzentriert sich auf den Mittelmeerraum, findet jedoch auch im Iran, in den USA und in Brasilien statt. Die Ernte im Jahr 2018 betrug rund 1,1 Millionen Tonnen Frischfeigen. In weniger groĂem Stil werden Feigen auch in SĂŒdafrika, Australien, Neuseeland, Indien, China, Japan, Chile und Mexiko angebaut. Anbau im Wesentlichen zum Eigenverzehr findet jedoch auch in weiteren Mittel- und SĂŒdamerikanischen LĂ€ndern, in West-, Zentral- und SĂŒdostasien und in Westmitteleuropa statt.cite-ref-sch-tt2002-24-0[24]
Feigenanbau ist zwar auch in Deutschland im Freiland in geschĂŒtzten Lagen in Weinbaugebieten möglich, der Anbau erfolgt jedoch nur durch Liebhaber, normalerweise in HausgĂ€rten und nur ausnahmsweise kommerziell.
In Kultur wird die Echte Feige ĂŒber Stecklinge aus ein- oder zweijĂ€hrigen verholzten Trieben vermehrt. Diese Methode liefert rasch widerstandsfĂ€hige und ansehnliche Pflanzen. Es lassen sich jedoch auch weit Ă€ltere Ast- und StammstĂŒcke erfolgreich bewurzeln. Gewebekultur wird auch zur Vermehrung eingesetzt, vor allem um seltene Klone zahlreich zu vermehren.
Die BĂ€ume werden je nach Sorte, Boden und Niederschlag in Dichten von 80 bis 1200 BĂ€umen je Hektar gepflanzt. In niederschlagsarmen Gebieten sind die Pflanzungen nicht so dicht. Die Wuchshöhe der BĂ€ume in Kultur wird zur Erleichterung der Bearbeitung meist deutlich unter der potentiell möglichen GröĂe gehalten. Ohne Pflegeschnitt kann die Echte Feige rund zehn Meter hoch werden, im typisch hochmediterranen Klimaten bleibt sie aber meist deutlich niedriger. In Mitteleuropa werden auch die am stĂ€rksten wĂŒchsigen FeigenbĂ€ume kaum höher als sechs Meter.
Die Feigenkulturen benötigen nur geringe DĂŒngung. FĂŒr die QualitĂ€t der FrĂŒchte ist ein hohes Stickstoffangebot eher ungĂŒnstig, vor allem kurz vor der Fruchtreife. Die Pflege ist recht einfach und beschrĂ€nkt sich in der Regel auf einen RĂŒckschnitt vor dem FrĂŒhjahrsaustrieb und das Entspitzen der Fruchttriebe. Letzteres fĂŒhrt zu einer frĂŒheren und einheitlicheren Fruchtreife.
Wirtschaftliche Bedeutung
2022 wurden laut der ErnÀhrungs- und Landwirtschaftsorganisation FAO weltweit 1.242.449 t Feigen geerntet.cite-ref-fao-25-0[25]
Folgende Tabelle gibt eine Ăbersicht ĂŒber die zehn gröĂten Produzenten weltweit, die insgesamt 80,3 % der Erntemenge produzierten.
| Rang | Land | Menge (in t ) |
|---|---|---|
| 1 | Turkei TĂŒrkei | 350.000 |
| 2 | Agypten Ăgypten | 187.873 |
| 3 | Algerien Algerien | 112.267 |
| 4 | Marokko Marokko | 109.620 |
| 5 | Iran Iran | 67.861 |
| 6 | Spanien Spanien | 43.500 |
| 7 | Syrien Syrien | 39.653 |
| 8 | Usbekistan Usbekistan | 29.844 |
| 9 | Afghanistan Afghanistan | 29.437 |
| 10 | Saudi-Arabien Saudi-Arabien | 28.050 |
| | Summe Top Ten | 1.242.449 |
| | restliche LĂ€nder | 244.344 |
Ernte
Siehe auch
:
Feigenanbau in Deutschland: Fruchtreife und Ernte
Die BĂ€ume können bereits im Pflanzjahr FrĂŒchte tragen. Vollertrag tritt meist nach fĂŒnf bis acht Jahren ein und hĂ€lt rund 50 Jahre an. Auf guten Standorten betrĂ€gt der Jahresertrag 15 bis 20 Tonnen Frischfrucht pro Jahr und Hektar, was rund fĂŒnf bis sieben Tonnen TrockenfrĂŒchte ergibt.cite-ref-26[26] Ein ausgewachsener Einzelbaum einer ertragreichen Sorte wie Brown Turkey kann im Jahr bis zu 100 Kilogramm frischer Feigen tragen.cite-ref-27[27]
Feigen fĂŒr den Frischverzehr werden im kommerziellen Anbau vor der Vollreife geerntet, damit sie fĂŒr den Transport noch fest genug sind. Da Feigen nach der Ernte jedoch nicht mehr nachreifen, ist ein Anbau möglichst nah am Endkonsumenten am besten, was dazu fĂŒhrt, dass Feigen fĂŒr den Frischverzehr oft im Hausgarten der Endkonsumenten angebaut werden, da sie so geschmacklich am besten sind. Da frische Feigen wenig haltbar sind, werden sie vor allem in den AnbaulĂ€ndern verzehrt.
Feigen zum Trocknen werden vollreif geerntet, wenn der Wassergehalt der FrĂŒchte am Baum bereits um 30 bis 50 % gesunken ist. Sie werden von Hand geerntet, von den BĂ€umen geschlagen oder maschinell geerntet.
Verarbeitung, Verwendung
Die meisten Feigen werden getrocknet. Dies geschieht an der Sonne oder in HeiĂluftöfen. Der Wassergehalt wird dabei auf 33 bis 18 % gesenkt, der Zuckeranteil steigt auf rund 60 %. Die im Handel erhĂ€ltlichen Rollen entstehen, indem man die getrockneten Feigen unter Verwendung von heiĂem Wasserdampf presst. HauptsĂ€chlich werden Feigen in frischem oder getrocknetem Zustand als Obst verwendet.
Aus dem Saft reifer Feigen wird auch ein Dessertwein hergestellt. In Spanien und Portugal gibt es âFeigenkĂ€seâ, der reife Feigen, Hasel-, Pinienkerne, Mandeln, Pistazien und GewĂŒrze enthĂ€lt. Geröstete Feigen werden zudem zu Feigenkaffee verarbeitet.cite-ref-28[28]
Im Handel werden die Feigen meist nicht unter den Sortennamen gehandelt, sondern nach der Herkunft benannt: Smyrna-Feigen (TĂŒrkei, besonders MĂ€ander-Tal), Bari-Feigen (Provinz Puglia, Italien), Fraga-Feigen (Provinz Huelva, Spanien), Calamata-Feigen (Peloponnes, Griechenland), Bougie-Feigen (Algerien).
In der Volksmedizin wird die weiĂe Milch, die austritt, wenn man die BlĂ€tter von den Zweigen bricht, zur Linderung bei Insektenstichen und zur Beseitigung von Warzen angewendet. Das im Milchsaft enthaltene Enzym Ficain wird zur Bestimmung von Blutgruppen und als Fleischzartmacher verwendet.
Holz
Im 13. und 15. Jahrhundert galt Feigenholz als hervorragend geeignet zur Herstellung von Holztafeln fĂŒr die Malerei.cite-ref-29[29]
Domestikation
Die Domestizierung der Feige setzte schon sehr frĂŒh ein und ist wahrscheinlich sogar Ă€lter als der Ackerbau. In einem etwa 11.400 Jahre alten Haus bei Jericho wurden Ăberreste von bereits nicht mehr der Wildform entsprechenden Feigen gefunden.cite-ref-30[30] Alle antiken Hochkulturen des mesopotamischen sowie des Mittelmeerraums kannten und nutzten die Feige. Beispielsweise bauten die Assyrer sie schon 3000 v. Chr. in ihren GĂ€rten an. In Griechenland wurde sie 700 v. Chr. eingefĂŒhrt und verbreitete sich von dort aus im gesamten ĂŒbrigen Mittelmeerraum.
Bedeutung, Literatur und Mythos
Indien
Der Feigenbaum (aĆvattha) ist einer der schönsten und höchsten BĂ€ume, und viele Menschen in Indien verehren ihn deshalb tĂ€glich in einem ihrer morgendlichen Rituale.
In Kapitel 10 der Bhagavad Gita steht: âDer segenspendende Herr sprach: Ja, Ich werde dir von meinen herrlichen Manifestationen berichten⊠Ich bin das SelbstâŠ, das in den Herzen aller Geschöpfe weilt. [⊠Vers 26:] Von allen BĂ€umen bin Ich der heilige FeigenbaumâŠâ
Griechenland
Im antiken Griechenland war die Feige mit aphrodisischen Eigenschaften besetzt. Sie war dem Gott Dionysos geheiligt. In Attika hatte er den Beinamen philosykos = der Feigenfreund, in Naxos nach der dortigen Bezeichnung fĂŒr Feige meilichios. Bilder des Gottes wurden daher oft aus Feigenholz geschnitzt, auch die groĂen Phalli fĂŒr die Dionysos-Prozessionen, ĂŒber die sich schon Heraklit entrĂŒstete.cite-ref-31[31] Der gröĂte Phallus aller Zeiten soll der beim Ptolemaios-Fest in Alexandria 271 v. Chr. mit ĂŒber 50 Metern LĂ€nge gewesen sein.cite-ref-32[32] Auch in Sparta gab es Kulte um den Feigen-Dionysos, da man glaubte, er habe den Menschen die Feige gebracht.cite-ref-33[33]
Die Athener waren einer Anekdote Plutarchs zufolge auf ihre Feigen so stolz, dass sie die Ausfuhr verboten. Leute, die VerstöĂe gegen dieses Verbot anzeigten, nannte man Sykophanten.cite-ref-34[34] Zur Zeit Plutarchs wurde der Begriff fĂŒr Denunzianten allgemein verwendet.
Auch im Zusammenhang mit Selbstmord kommt der Feigenbaum vor. Cicero erwĂ€hnte, dass sich eine lebensmĂŒde Frau an einem Feigenbaum erhĂ€ngte, worauf der Nachbar den Witwer um Stecklinge bat.cite-ref-35[35] Ăber Timon von Athen ist ĂŒberliefert: Eines Tages bestieg der bekannte Menschenfeind die RednerbĂŒhne und verkĂŒndete, dass der Feigenbaum bei seinem Haus, an dem sich schon etliche Menschen erhĂ€ngt hatten, gefĂ€llt werden mĂŒsse. Er bitte also alle LebensmĂŒden, sich mit ihrem Selbstmord zu beeilen.cite-ref-36[36]
Rom
Bei den antiken Römern war der Feigenbaum ĂŒberwiegend positiv besetzt. Aus dem Holz schnitzte man Figuren des Gottes Priapus, u. a. des BeschĂŒtzers der Feigen. Wie auch in der Bibel und bei den Griechen hatte die Feige auch eine sexuelle Bedeutung. Isidor (XVII 7,17) leitet ficus ab von lateinisch fecundus = fruchtbar ab. Athenaios (594 D) verglich eine HetĂ€re mit einer Feige, sie bediene alle.
Besondere Bedeutung fĂŒr Rom hatte die Ficus Ruminalis, die noch unter Augustus am WestfuĂ des Palatins gezeigt wurde. Unter diesem Baum sollen der Sage nach die in einer Wanne im Hochwasser fĂŒhrenden Tiber ausgesetzten Zwillinge Romulus und Remus angeschwemmt und von der Wölfin gefunden und gesĂ€ugt worden sein.cite-ref-37[37]
Auf dem Comitium am Forum Romanum gab es einen zweiten ruminalischen Feigenbaum, der das Schicksal Roms verkörperte. Er wurde jedes Mal von den Priestern neugepflanzt, wenn er abgestorben war.
Die Feige hatte zuweilen aber auch eine negative Bedeutung. So wurden âUngeheuerâ auf Scheiterhaufen aus Feigenholz verbrannt.cite-ref-38[38]
Nach Plinius dem Ălteren spielte die Feige auch einmal eine hochpolitische Rolle.cite-ref-39[39] Cato der Ăltere propagierte den Krieg gegen das nach dem Zweiten Punischen Krieg wiedererstarkte Karthago. Um die gefĂ€hrliche NĂ€he des Feindes zu demonstrieren, zog Cato wĂ€hrend einer Rede eine taufrische Feige (ficus praecox) aus seiner Toga und erklĂ€rte, diese sei vorgestern in Afrika gepflĂŒckt worden. GemÀà Plinius ĂŒberzeugte dies die Senatoren, und sie beschlossen den Dritten Punischen Krieg.
Der römische Koch Apicius soll seine Schweine mit syrischen Feigen gefĂŒttert haben, um das Fleisch zur Vollendung zu bringen. In Rom waren Feigen bei allen Bevölkerungsschichten sehr beliebt. Plinius berichtet, in getrocknetem Zustand dienten sie den gleichen Zwecken wie Brot und vergleichbare Nahrungsmittel; nach Columella stellten DörrĂ€pfel und -birnen, doch vor allem Dörrfeigen die wichtigsten WintervorrĂ€te der Landbevölkerung dar.
Bibel und Christentum
Die Feige ist die erste namentlich erwĂ€hnte Pflanze in der Bibel und auch die einzige namentlich erwĂ€hnte des Garten Eden. Nachdem Adam und Eva vom Baum der Erkenntnis gegessen hatten, wurden sie sich ihrer Nacktheit bewusst: Sie hefteten FeigenblĂ€tter zusammen und machten sich einen Schurz (Genesis 3,7). Von daher stammt die Metapher des Feigenblatts fĂŒr schamhafte VerhĂŒllung. Die Feige ist auch der klassische Fruchtbaum der Bibel, wird sie doch 38-mal erwĂ€hnt gegenĂŒber vier ErwĂ€hnungen des Apfels.cite-ref-40[40] Im Allgemeinen jedoch steht die Feige im Alten Testament fĂŒr Frieden und Wohlstand.
Neben Holunder und Flieder, bei denen dies technisch schwer möglich ist, wird in der nachbiblischen Ăberlieferung seit dem 4. Jahrhundert besonders auch der Feigenbaum als der Baum genannt, an dem Judas sich erhĂ€ngt hat. Der Pilger von Piacenza nannte im Jahr 560 als Standort des Selbstmordbaums rechts vor dem Osttor Jerusalems, zu anderen Zeiten wurden andere Orte genannt.
Augustinus sprach die sinnliche Bedeutung der Feige aus: ficus foliis significantur pruritus libidinis â âFeigenblĂ€tter bedeuten das Jucken der Sinnlichkeitâ.cite-ref-41[41]
Islam
Mittelalter und Neuzeit
In SĂŒdeuropa weit verbreitet ist die Geste jemandem die Feige zeigen, bei der man den Daumen zwischen Zeige- und Mittelfinger schiebt. Die Geste wird auf Kaiser Friedrich Barbarossa zurĂŒckgefĂŒhrt. Die MailĂ€nder hatten seine Gattin Beatrix gedemĂŒtigt, indem sie sie mit dem Gesicht nach hinten auf einer Eselin durch die Stadt fĂŒhrten. Nach der RĂŒckeroberung Mailands begnadigte Friedrich nur jene Leute, die mit ihren ZĂ€hnen eine Feige aus dem After einer Eselin holen und wieder zurĂŒckstecken konnten.cite-ref-42[42] Die Geste dient nicht nur der ZurĂŒckweisung einer Zumutung, sondern auch der Abwehr aller möglichen Ăbel wie des Behexens, Verschreiens und des bösen Blicks.
Die Gleichsetzung der Feige mit der Vulva fĂŒhrte in manchen Sprachen so weit, dass das ursprĂŒngliche Wort fĂŒr Feige durch ein anderes ersetzt wurde. So wird die Feige in der TĂŒrkei hĂ€ufig mit yemiĆ âObst, Obstbaum, FrĂŒchteâ bezeichnet.
Trivialnamen
FĂŒr die Echte Feige (im Lateinischen ficuscite-ref-44[44]) bestehen bzw. bestanden auch die weiteren deutschsprachigen Trivialnamen: Feige, Feigenbaum, Feygen (mittelhochdeutsch; auch fygencite-ref-45[45]), Fichboum (althochdeutsch), Ficheffele (Plural, ahd.), Figa (bezogen auf die Frucht, ahd.), FĂźg (niederdeutsch), Fig (ndt.), Figenbaum (mhd.), Figenbaym (mhd.), FigenbĂŽm (mhd.), Figenboum (mhd.), Figenpawm (mhd.), Fygen, Smakka, Smakkabagms (gotisch), Veigenpoum, Veyg (mhd.), Vichboum (mhd.), Vick (mhd.), Vyck (mhd.), Vig (mittelniederdeutsch [gml]), Vige (gml), Vigbom (gml), Vigenbom (gml), Vigboum (mhd.), Vighen, Vyghen, Wighen und Wyk (mhd.).cite-ref-46[46]
Geschichte
Quellen
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âą Lateinisches Mittelalter: Hildegard von Bingen 12. Jh.cite-ref-53[53] --- Konrad von Megenberg 14. Jh.cite-ref-54[54] --- Gart der Gesundheit 1485cite-ref-55[55] --- Hortus sanitatis 1491cite-ref-56[56]
⹠Neuzeit: Otto Brunfels 1537cite-ref-57[57] --- Leonhart Fuchs 1543cite-ref-58[58] --- Hieronymus Bock 1539cite-ref-59[59] --- Mattioli / Handsch / Camerarius 1586cite-ref-60[60] --- Nicolas Lémery 1699/1721cite-ref-61[61] --- Onomatologia medica completa 1755cite-ref-62[62] --- William Cullen 1789/90cite-ref-63[63] --- Hecker 1814/15cite-ref-64[64] --- Philipp Lorenz Geiger 1830cite-ref-65[65] --- Pereira / Buchheim 1846/48cite-ref-66[66] --- Bentley / Trimen 1880cite-ref-67[67] --- Theodor Husemann 1883cite-ref-68[68] --- Wolfgang Schneider 1974cite-ref-69[69]
Historische Abbildungen
Literatur
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Weblinks
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Einzelnachweise
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cite-note-4848. â Plinius der Ăltere, 1. Jh.: Naturalis historia Buch XXIII, Kapitel lxiiiâlxiiii (§ 117â130): Ficus (Digitalisat); Ăbersetzung KĂŒlb 1855 (Digitalisat)
cite-note-4949. â Galen, 2. Jh. De alimentarum facultatibus liber, Buch II, Kapitel VIII (nach der Ausgabe KĂŒhn 1826, Band VI, S. 570â573): De ficibus (Digitalisat). De simplicium medicamentorum temperamentis ac facultatibus liber VIII, Kapitel 18, Abschnitt 43 (nach der Ausgabe KĂŒhn 1826, Band XII, S. 132â133): De ficis (XII, S. 132â133) (Digitalisat); Kapitel 18, Abschnitt 44: (nach der Ausgabe KĂŒhn 1826, Band XII, S. 133): De ficu arbore (Digitalisat)
cite-note-5050. â Avicenna, 11. Jh.: Kanon der Medizin. Ăbersetzung und Bearbeitung durch Gerhard von Cremona, Arnaldus de Villanova und Andrea Alpago (1450â1521). Basel 1556, Band II, Kapitel 283: Ficus (Digitalisat)
cite-note-5151. â Pseudo-Serapion 13. Jh., Druck. Venedig 1497, Blatt 126v (No CCVIII): Ficus (Digitalisat)
cite-note-5252. â Abu Muhammad ibn al-Baitar, 13. Jh., KitÄb al-jÄmiÊż li-mufradÄt al-adwiya wa al-aghdhiya. Ăbersetzung. Joseph Sontheimer unter dem Titel GroĂe Zusammenstellung ĂŒber die KrĂ€fte der bekannten einfachen Heil- und Nahrungsmittel. Hallberger, Stuttgart Band I 1840, S. 221â225: Ficus carica (Digitalisat)
cite-note-5353. â Charles Victor Daremberg und Friedrich Anton ReuĂ (1810â1868). S. Hildegardis Abbatissae Subtilitatum Diversarum Naturarum Creaturarum Libri Novem. Physica, Buch III, Kapitel 14: Feige. Migne, Paris 1855. Sp. 1227 (Digitalisat). Ăbersetzung Marie-Louise Portmann 1991: Vom Feigenbaum. Der Feigenbaum ist mehr warm als kalt, und er wird immer WĂ€rme haben, und die KĂ€lte bekommt ihm nicht, und er bezeichnet die Furcht. Nimm aber seine BlĂ€tter und Rinde, und zerstoĂe sie mĂ€Ăig und koche sie stark in Wasser, und (nimm) auch BĂ€renfett und etwas weniger Butter und mach so eine Salbe. Und wenn du Kopfweh hast, salbe den Kopf damit. Oder wenn deine Augen schwĂ€ren, salbe damit deine SchlĂ€fen und die Umgebung deiner Augen, jedoch so, dass das Augeninnere nicht berĂŒhrt wird. Aber wenn du Schmerzen in der Brust hast, salbe die Brust. Hast du Schmerzen in den Lenden, salbe diese damit, und es wird dir besser gehen. Wenn aber sein Holz im Feuer angezĂŒndet wird und wenn sein Rauch jemanden erreicht, schadet es ihm etwas, so dass er ohnmĂ€chtig wird. Oder wenn jemand einen Stock aus diesem Holz in seiner Hand trĂ€gt, schwĂ€cht es ihn auf gleiche Weise in seinen KrĂ€ften, das heiĂt er wird ohnmĂ€chtig. Aber die Frucht dieses Baumes ist fĂŒr einen Menschen, der gesund am Körper ist, nicht bekömmlich zu essen, weil sie bewirkt, dass er genieĂerisch und wankelmĂŒtig wird, was schlecksĂŒchtig und lĂŒstern ist, so dass er Ehren erstrebt, dem Geize zuneigt und eine unbestĂ€ndige Wesensart haben wird, so dass er nicht in einem steten Sinn verharrt. Aber auch dem Körper des Menschen ist (die Frucht) zum Essen nicht bekömmlich, weil sie sein Fleisch zerflieĂend macht und weil sie allen SĂ€ften des Menschen widersteht, so dass sie diese zum Ăbel reizt, als wĂ€re sie ihr Feind. FĂŒr den Kranken aber, der schwach am Körper ist, ist (die Frucht) gut zu essen, weil es ihm am Geist und Körper gebricht, und er esse sie, bis es ihm besser geht, und nachher soll er sie meiden. Wenn ein gesunder Mensch sie essen will, beize er sie zuerst in Wein oder in Essig, damit ihre HinfĂ€lligkeit gemĂ€Ăigt werde, und dann esse er sie, jedoch nur mĂ€Ăig. Aber es ist nicht notwendig, dass ein kranker Mensch sie auf diese Weise mĂ€Ăigt, das heiĂt sie beize.
cite-note-5454. â Konrad von Megenberg, 14. Jh.: Buch der Natur. Ausgabe. Franz Pfeiffer. Aue, Stuttgart 1861, S. 322 (IVa/16): Veigenpaum (Digitalisat)
cite-note-5555. â Gart der Gesundheit. Mainz 1485, Kapitel 191: Ficus (Digitalisat)
cite-note-5656. â Hortus sanitatis 1491, Mainz 1491, Teil I, Kapitel 194: Ficus (Digitalisat)
cite-note-5757. â Otto Brunfels: Ander Teyl des TeĂŒtschen Contrafayten KreĂŒterbĆŻchs. Johann Schott, StraĂburg 1537, S. 159â161: Feigenbaum (Digitalisat)
cite-note-5858. â Leonhart Fuchs: New KreĂŒtterbuch ⊠Michael Isingrin, Basel 1543, Kapitel 290: Feigenbaum (Digitalisat)
cite-note-5959. â Hieronymus Bock: New KreĂŒtter BĆŻch. Wendel Rihel, StraĂburg 1546, Teil III, Kapitel 47: Feigen (Digitalisat)
cite-note-6060. â Pietro Andrea Mattioli: Commentarii, in libros sex Pedacii Dioscoridis Anazarbei, de medica materia. Ăbersetzung durch Georg Handsch, bearbeitet durch Joachim Camerarius den JĂŒngeren, Johan Feyerabend, Franckfurt am Mayn 1586, Blatt 101vâ102v: Feigen (Digitalisat)
cite-note-6161. â Nicolas LĂ©mery: Dictionnaire universel des drogues simples. Paris 1699, S. 300: Ficus (Digitalisat); Ăbersetzung. VollstĂ€ndiges Materialien-Lexicon. Zu erst in Frantzösischer Sprache entworffen, nunmehro aber nach der dritten, um ein grosses vermehreten Edition [âŠ] ins Hochteutsche ĂŒbersetzt / Von Christoph Friedrich Richtern, [âŠ] Leipzig: Johann Friedrich Braun, 1721, Sp. 455â456: Ficus (Digitalisat)
cite-note-6262. â Albrecht von Haller (Hrsg.): Onomatologia medica completa oder Medicinisches Lexicon das alle Benennungen und Kunstwörter welche der Arzneywissenschaft und Apoteckerkunst eigen sind deutlich und vollstĂ€ndig erklĂ€ret [âŠ] Gaumische Handlung, Ulm / Frankfurt am Main / Leipzig 1755, Sp. 314: Carica (Digitalisat)
cite-note-6363. â William Cullen: A treatise of the materia medica. Charles Elliot, Edinburgh 1789. Band, S. 254: Dried figs (Digitalisat). Deutsch. Samuel Hahnemann. Schwickert, Leipzig 1790. Band I, S. 279: Trockene Feigen (Digitalisat)
cite-note-6464. â August Friedrich Heckerâs practische Arzneimittellehre. Revidiert und mit neuesten Entdeckungen bereichert von einem practischen Arzte. Camesius, Wien, Band I 1814, S. 93: Carica, Feigen (Digitalisat)
cite-note-6565. â Philipp Lorenz Geiger: Handbuch der Pharmacie zum Gebrauche bei Vorlesungen & zum Selbstunterrichte fĂŒr Ărzte, Apotheker & Droguisten. Wolters, Stuttgart, 2. Band, 2. HĂ€lfte 1830, S. 1455â1457: Ficus carica (Digitalisat)
cite-note-6666. â Jonathan Pereiraâs Handbuch der Heilmittellehre. Nach dem Standpunkte der deutschen Medicin bearbeitet von Rudolf Buchheim. Leopold VoĂ, Leipzig 1846â1848, Band II 1848, S. 192: Ficus carica (Digitalisat)
cite-note-6767. â Robert Bentley, Henry Trimen: Medicinal plants. J. & A. Churchill, London 1880, Band 4, No 228 (Digitalisat)
cite-note-6868. â Theodor Husemann: Handbuch der gesammten Arzneimittellehre. Springer, Berlin 2. Aufl. 1883, S. 353 (Digitalisat)
cite-note-6969. â Wolfgang Schneider: Lexikon zur Arzneimittelgeschichte. Sachwörterbuch zur Geschichte der pharmazeutischen Botanik, Chemie, Mineralogie, Pharmakologie, Zoologie. Govi-Verlag, Frankfurt a. M. Band 5/2 (1974), S. 95â99: Ficus (Digitalisat)
cite-note-702. Transkription und Ăbersetzung des Textes durch Franz Unterkircher. Tacuinum sanitatis ⊠Graz 2004, S. 45: Fichus recentes. complexio calida et humida in primo. Meliores ex eis albe mundate et excorticate. iuvamentum: mundificant renes ab arenis, humores subtiliant et praeservant a veneno. nocumentum: fatiunt inflationem et grossitiem. Remotio nocumenti: cum muri et siropo acetoso. Quid generant: humorem laudabilem. Cui complexioni, cui etati, quo tempore, in qua regione magis conveniunt: frigidis nature, etati senili et decrepite, tempore autumpni, in regione septentrionali. Frische Feigen: Komplexion: warm und feucht im ersten Grad. Die besseren von ihnen sind die weiĂen, gereinigt und geschĂ€lt. Nutzen: sie reinigen die Nieren von Sand, verfeinern die SĂ€fte und schĂŒtzen vor Gift. Schaden: sie verursachen BlĂ€hung und schweres Blut. VerhĂŒtung des Schadens: mit Salzwasser und Essigsirup. Was sie hervorbringen: lobenswerte SĂ€fte. Welcher Komplexion, welchem Lebensalter, zu welcher Zeit, in welcher Gegend sie besonders zutrĂ€glich sind: den von Natur aus Kalten, dem greisen und geschwĂ€chten Alter, zur Herbstzeit, in nördlicher Gegend.
cite-note-713. Transkription und Ăbersetzung des Textes durch Franz Unterkircher. Tacuinum sanitatis ⊠Graz 2004, S. 94: Ficus sice: complexio calida et sicca in primo. Electio: tartarece retunde, alias albe pingues. iuvamentum: conferunt pectori et praeservant a veneno. Nocumentum: faciunt opilationes, ventositates et pediculos. Remotio nocumenti: cum nucibus et amigdalis. Quid generant: sanguinem temperatum, alias acutum. conveniunt frigidis, senibus, hyeme et septentrionalibus; alias vere et temperatis regionibus. Getrocknete Feigen: Komplexion: warm und trocken im ersten Grad. Vorzuziehen: tartarische, runde, nach anderen weiĂe und fette. Nutzen: sie sind gut fĂŒr die Brust und schĂŒtzen vor Gift. Schaden: sie verursachen Verstopfungen, Windigkeiten und LĂ€use. VerhĂŒtung des Schadens: mit NĂŒssen und Mandeln. Was sie erzeugen: gemĂ€Ăigtes Blut, nach anderen scharfes Blut. ZutrĂ€glich fĂŒr Menschen mit kalter Komplexion, fĂŒr Greise, im Winter und in nördlichen Gegenden, nach anderen im FrĂŒhling und in gemĂ€Ăigten Gegenden.